Das die Vesperbrotausgabe neben dem Cafeteriabetrieb abläuft, kapieren sie Koinboins Lebtag nicht: Cafeteria geht vor Vesperbrot.
Nach Empfang des Vespers ziehen sie eilig vondannen, als hätten sie in der Lotterie gewonnen und berichten allgemein, das es geklappt hat. Schnell das Vesper in Sicherheit, aufs Zimmer, bringen, damit es einem nicht nach Schinderhannesscher Art abgenommen werden kann.
Plemplem, was sind das bloss für plemplemne Leute.
Koinboin macht sich mit seinem Vesperbrot in einem Beutel um den Hals auf den Nachhauseweg in Richtung des grossen Aufzugs. Eine kleine, für einen Rollifahrer schon steile Rampe, Koinboins geheime Olympiastrecke, führt in Richtung Aufzug.
Koinboin treibt seinen Rolli über den Greif-/Griffring vorwärts. Die angewendete Vorwärtskraft schiebt den Rolli vorwärts und stoppt sofort, wenn die Vorwärtskraft aufgebraucht ist. Wird der Greif-/Griffring nicht rechtzeitig betätigt, rollt der Rolli rückwärts. Also ist schnelle Reaktion gefordert, schnelles Vorwärtstreiben, die Räder dürfen nicht stillstehen...
Koinboin denkt jedesmal, wenn er diesen Weg nimmt: Wenn ich das eines Tages aus Altersgründen nicht mehr schaffe, muss Pflegestufe Eins beantragt werden, weil zu kraftlos, dann folgt Schwesternhilfe beim Transfer aufs Bett, vom Bett auf den Rollstuhl, vom Rollstuhl auf die Toilette usw..
Am Aufzug angekommen sitzt Koinboin ahnungslos in seinem Rollstuhl und wartet so nichts Bestimmtes vor sich hindenkend, auf den Aufzug. Koinboin kann den Aufzug hören wie er sich nähert. Ein Luftzug wie aus einer Luftpumpe gepresst, dringt durch alle Ritzen der Fahrstuhl-Schiebetür, die sich ruckelnd öffnet. Eine Person mit Rollator ist drin und will aussteigen. Koinboin aber will einsteigen.
Intelent wie alles im Haus angeordnet ist, steht vor dem Eingang zum Aufzug eine Sitzbank mit Rückenlehne, sodass sich ein Rolli und ein Rollator nicht aneinander vorbeiquetschen können. Der Einsteigen-
wollende muss nachgeben und in Fahrtrichtung hinter die Sitzbank zurückfahren. Jetzt kann der Aussteigenwollende aus dem Fahrstuhl rausfahren, währenddessen sich die Aufzugstür schliesst. Jetzt kommen beide aneinander vorbei. Der Einsteigenwollende ruft den inzwischen weggefahrenen Fahrstuhl und kann so es das Schicksal mit ihm gut meint, einsteigen und seinem Ziel entgegenfahren.
Koinboins Fazit: Hat tu ne Gartenbank neben dir, kann's dauern. Dann gilt: Hat tu Haschisch in de Taschen, hat tu was zu naschen oder weil's dauert: Hat tu Dauerzwieback dabei?
NächstenLiebeDienstleistungsladen (1)
Koinboin hat am Valentinstag die Spendierhosen an und wollte für alle seine Schweschtern in die Gemeinschafts-Kaffeekasse, wie Weihnachten, einen Betrag Geldes über eine Schweschter einlegen lassen.
Überraschung: Die erste Schweschter, die Koinboin über den Weg lief, wollte/konnte/durfte das Valentinstagsgeschenk nicht annehmen, weil’s der Scheff - bei Zuwiderhandlung Rauswurf - verboten habe, Geschenke ausser Naturalien anzunehmen.
Koinboin erwiderte, dass er leider keinen Sack Kartoffeln zur Hand hätte.
Die Schweschter liess einen erstaunten, ungläubigen Koinboin zurück und zog ihres Wegs.
Fazit: Gesetze müssen in einem NächstenLiebeDienstleistungsladen nicht nur vom Personal sondern auch von An-/Ein-/Bewohnern befolgt werden...
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Frühsport ist angesagt. Sport ist Mord im Angesicht des Rutschbretts. Bin schon zweimal zwischen Stamm und Borke, sprich Bett/Sofa und Rolli, gesessen.
Kein erhebendes Gefühl. Erhebend ist gut, funzt aber nicht. Bin eben kein Yogi, hoppla, da war doch noch ein Jogi, ach so, ja, Deutschland verliert gegen die Wikinger.
Wie gesagt, ein neuer Tag beginnt. Blick zum Fenster, Augen reiben ist angesagt. Alles weiss, es hat geschneit. Erinnert mich so an die Streicheleinheiten, sorry Streicheinheiten, die meine neue Wohnung bekommen soll. Gestern hab ich den Schlüssel geholt.
Nicht träumen, aufstehen. Aufstehen ist gut, rutschen muss sein, von nix kommt nix, Muckis sind gefragt, die Hauptarbeit leistet der rechte Arm, zieht den Kerle vom Bett übers schwarze Rutschbrett (kostet ca. hundertachtzig Euronen) auf den Rolli.
Koinboin hat zwei Rollis, für jedes fehlende Bein einen. Nein, Spass beiseite, einer ist ein Dusch-/Toilettenstuhl und unteranderem schmaler/schmäler - Schmalhans Küchenmeister - als der andere und hilft einem in einer nicht rollstuhlgerechten Wohnung durch die Tür zur Toilette zu kommen, wenn genügend Rangiermöglichkeiten vorhanden sind.
Rückwärts durch die Tür über die Toilette gefahren, geschäftig das Geschäft erledigt, geht’s vorwärts wieder raus. Kehrtwende um hundertachtzig Grad und wieder rein, Wasserspülung betätigt, Morgentoilette, Rasieren und rückwärts wieder raus.
Übers Bett als Zwischenstation mithilfe des Rutschbrettes - meine Rutschelichhose an - auf den breiteren Rolli umsteigen. Ausschnaufen, fertig.
Rutschbrett und Rutschen ist so eine Sache: blanker Po oder Jeansstoff rutschen nicht richtig, also Arme durchdrücken, Körper anheben und Vorwärtsschaukelbewegung und Absetzen; deshalb Rutschelichhose, erspart einem das Arme durchdrücken. Egal, Kraftakt so oder so.
Jetzt beginnen die leichteren Übungen. PC und TV anmachen, Postfach leeren, Zeitung flüchtig lesen, Bloggen, Uhrzeit im Blick geht’s Viertel vor Sieben zum Frühstücken.
Heute donnerstags im Tivi die Weischenberg: Plaudertasche, die alle Entgleisungen der High Society kennt. Hat Mode studiert oder so, wie die immer angezogen ist, heute zum Bleistift: Konfirmationsanzug mit weisser Bluse und Schlangenhautschuhe, grausig, grauselig... Tierquälerei, Rache, Schlange, Eva, Apfel, Paradies...
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Koinboin fühlte sich gut und ging, ohne Lampenfieber, immer auf Sicherheit bedacht, zwei Stunden vor Prüfungsbeginn von zu Hause los.
Die Strassenbahn-Haltestelle war fast vor der Tür. Als Koinboin die Haltestelle erreichte, kam die Tram auch schon angebraust. Koinboin steigt ein, aber die Strassenbahn fährt nicht mehr ab. Koinboin wartet und wartet, aber nichts. - Stromausfall.
Koinboin steigt aus und eilt zum Taxistand. Kein Taxi da. Koinboin wartet. Endlich kommt ein Taxi. Einer alten Gewohnheit folgend, prüft Koinboin, ob er Geld bei sich hat. Nein, kein Portmonee.
Jetzt kommt langsam Panik auf. Koinboin rennt nach Hause, holt Geld (10 DM - mehr Geld war nicht in der Haushaltskasse) und rennt zum Taxistand zurück. Gottseidank, ein Taxi steht startklar bereit.
Ab in Richtung Stuttgart (10 km). Alle Verkehrsampeln sind ausser Betrieb. Beschwerliches Vorwärtskommen. Koinboin verfolgt den Taxameter, der unaufhörlich tickt und sich langsam, aber sicher der 10 DM-Grenze nähert.
Koinboin lässt das Taxi in der Nähe vom Hauptbahnhof halten, bezahlt, muss aber noch die ganze Flaniermeile Königstrasse raufrennen zum Rotebühlplatz (ca. 1500 Meter). Es wird knapp. Gerade 11 Uhr. Der Professor hält schon nach dem nächsten Kandidaten Ausschau.
Koinboin kommt atemlos die Treppe hochgerannt und muss erzählen, was passiert ist. Koinboin bekommt 15 Minuten Verschnaufpause und wird danach seiner Prüfung unterzogen. - Bestanden.
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