Samstag, 14. Februar 2009
Die Angst Letzter zu sein
Koinboin holt sein Abendbrot - 2 Scheiben Brot, 2 Butter und Scheibenkäse - in Cellofantüten verpackt in der Cafeteria ab. Hinter Koinboin reihen sich zwei ältere ungeduldige Herrschaften ein, die ohnehin nur die Essens- oder Essensabholzeiten als Uhrzeiten kennen. Nichts zu tun haben, aber wie Sau pressieren, sich krampfhaft am Rollator festhaltend und von einem Fuss auf den anderen Fuss tretend, die Vesperbrotausgabe erwartend.

Das die Vesperbrotausgabe neben dem Cafeteriabetrieb abläuft, kapieren sie Koinboins Lebtag nicht: Cafeteria geht vor Vesperbrot.

Nach Empfang des Vespers ziehen sie eilig vondannen, als hätten sie in der Lotterie gewonnen und berichten allgemein, das es geklappt hat. Schnell das Vesper in Sicherheit, aufs Zimmer, bringen, damit es einem nicht nach Schinderhannesscher Art abgenommen werden kann.

Plemplem, was sind das bloss für plemplemne Leute.

Koinboin macht sich mit seinem Vesperbrot in einem Beutel um den Hals auf den Nachhauseweg in Richtung des grossen Aufzugs. Eine kleine, für einen Rollifahrer schon steile Rampe, Koinboins geheime Olympiastrecke, führt in Richtung Aufzug.

Koinboin treibt seinen Rolli über den Greif-/Griffring vorwärts. Die angewendete Vorwärtskraft schiebt den Rolli vorwärts und stoppt sofort, wenn die Vorwärtskraft aufgebraucht ist. Wird der Greif-/Griffring nicht rechtzeitig betätigt, rollt der Rolli rückwärts. Also ist schnelle Reaktion gefordert, schnelles Vorwärtstreiben, die Räder dürfen nicht stillstehen...

Koinboin denkt jedesmal, wenn er diesen Weg nimmt: Wenn ich das eines Tages aus Altersgründen nicht mehr schaffe, muss Pflegestufe Eins beantragt werden, weil zu kraftlos, dann folgt Schwesternhilfe beim Transfer aufs Bett, vom Bett auf den Rollstuhl, vom Rollstuhl auf die Toilette usw..

Am Aufzug angekommen sitzt Koinboin ahnungslos in seinem Rollstuhl und wartet so nichts Bestimmtes vor sich hindenkend, auf den Aufzug. Koinboin kann den Aufzug hören wie er sich nähert. Ein Luftzug wie aus einer Luftpumpe gepresst, dringt durch alle Ritzen der Fahrstuhl-Schiebetür, die sich ruckelnd öffnet. Eine Person mit Rollator ist drin und will aussteigen. Koinboin aber will einsteigen.

Intelent wie alles im Haus angeordnet ist, steht vor dem Eingang zum Aufzug eine Sitzbank mit Rückenlehne, sodass sich ein Rolli und ein Rollator nicht aneinander vorbeiquetschen können. Der Einsteigen-
wollende muss nachgeben und in Fahrtrichtung hinter die Sitzbank zurückfahren. Jetzt kann der Aussteigenwollende aus dem Fahrstuhl rausfahren, währenddessen sich die Aufzugstür schliesst. Jetzt kommen beide aneinander vorbei. Der Einsteigenwollende ruft den inzwischen weggefahrenen Fahrstuhl und kann so es das Schicksal mit ihm gut meint, einsteigen und seinem Ziel entgegenfahren.

Koinboins Fazit: Hat tu ne Gartenbank neben dir, kann's dauern. Dann gilt: Hat tu Haschisch in de Taschen, hat tu was zu naschen oder weil's dauert: Hat tu Dauerzwieback dabei?


NächstenLiebeDienstleistungsladen (1)

Koinboin hat am Valentinstag die Spendierhosen an und wollte für alle seine Schweschtern in die Gemeinschafts-Kaffeekasse, wie Weihnachten, einen Betrag Geldes über eine Schweschter einlegen lassen.

Überraschung: Die erste Schweschter, die Koinboin über den Weg lief, wollte/konnte/durfte das Valentinstagsgeschenk nicht annehmen, weil’s der Scheff - bei Zuwiderhandlung Rauswurf - verboten habe, Geschenke ausser Naturalien anzunehmen.

Koinboin erwiderte, dass er leider keinen Sack Kartoffeln zur Hand hätte.

Die Schweschter liess einen erstaunten, ungläubigen Koinboin zurück und zog ihres Wegs.

Fazit: Gesetze müssen in einem NächstenLiebeDienstleistungsladen nicht nur vom Personal sondern auch von An-/Ein-/Bewohnern befolgt werden...

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