Mittwoch, 18. März 2009
Einen ziehen lassen
Gemeint ist natürlich Tee, nicht so wie Sie vielleicht gedacht haben, das mit Reichskanzler Bismarck:
Bismarck geht einer Gruppe von Damen der feinen Gesellschaft treppaufwärts voran und ihm entfährt plötzlich unerwartet und nicht verhinderbar ein Furz.

Bismarck eiskalt, nicht rot werdend: Entschuldigung, der sollte vorne raus.
Das ist wohl das Prägnanteste über das Thema ziehen lassen. Es gibt auch noch was anderes.

Der Tee zieht sich selber, während der Bollerwagen gezogen werden muss oder der Kaugummi kann auseinandergezogen werden oder Kinder, Söhne und Töchter werden erzogen.

Das Gegenteil vom Kaugummi ist das zusammen ziehen. A und B ziehen in eine Wohnung zusammen, traurig aber wahr; weg ziehen. A und B ziehen in einen anderen Ort weg oder A zieht von B weg.

Einen Freund ziehen lassen bedeutet Freundschaft beendet.

Damit Tee zum Muntermacher wird und richtig schmeckt, sollte er drei bis fünf Minuten ziehen, als Tee mit beruhigender Wirkung fünf Minuten ziehen lassen.

Schon erledigt: Klinsmann wollte Podolski nicht ziehen lassen... oder

Soll man Weisheitszähne ziehen lassen?

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Dienstag, 17. März 2009
Alde Halde - eine Klappsmühle?
Koinboin stellt immer wieder fest, dass die Leute draussen, ausserhalb der Einrichtung Betreutes Wohnen nicht wissen, wer hier was womit spielt.

Koinboin meint, die Insassen (= jemand, der in einem Heim lebt; die Insassen eines Altersheims) sollten selbst berichten, wie sie hier leben und wie sie hier geliebt und betreut werden und von wem.

Als betreutes Wohnen wird die Wohnform bezeichnet, in denen Menschen, unter anderem alte Menschen, Invalide (z.B. Bein-
amputierte), psychisch Kranke, Obdachlose oder Behinderte von Sozialarbeitern bzw. Psychologen, Erziehern, Therapeuten oder Pflegekräften dahingehend betreut werden, dass bei gleichzeitiger Unterstützung zur Bewältigung der individuellen Probleme die größtmögliche Autonomie gewährleistet wird.

Wo man auch hinblickt, nur alte Damen und alte Herren mit Rollatoren und wenn der Kranken-/Leichenwagen mal hält, ist dies durchaus nichts besonderes.
Vor etwa 50 Jahren wurden Irrenanstalten als Klappsmühlen bezeichnet, vielleicht weil die Insassen damals kaum bis gar nicht betreut wurden und deshalb in sinnlose, sich ewig wiederholende Bewegungsmuster verfielen, die man heute wohl als Hospitalismus (= darunter versteht man alle negativen körperlichen und seelischen Begleitfolgen eines längeren Krankenhaus- oder Heimaufenthalts oder einer Inhaftierung) bezeichnen würde.

In die Klappsmühle kamen die, die einen Klapps kriegen:
  1. leichter Schlag auf einen Körperteil: ein freundlicher, aufmunternder, kräftiger Klapps; einen Klapps auf den Po bzw. Hinterkopf bekommen.
  2. (salopp), was sich anderen als Verrücktheit, Unvernünftigkeit darstellt: einen Klapps haben, bekommen, kriegen.
Im 18. Jahrhundert dachte man, dass Verrücktheit irgendwie mit Schlägen (Klappse) auf den Kopf zusammenhängen würde. Daher kommt der Ausdruck "einen Klapps haben" für "verrückt sein". Fallada hat dann die Begriffe "Klappsmann" und "Klappsmühle" geprägt, wovon heute nur noch letzterer (in der Form "Klappse") geläufig ist.

(Klapps)Mühle spielt auf die intensive Behandlung des Geisteskranken an. Auch der Ausdruck "durchdrehen" stammt daher.
Koinboin stellt mit Freude fest, dass er der Umwelt mitteilen kann: Alde Halde ist keine Klappse, auch Demenz (= ist ein Defizit in emotionalen und sozialen Fähigkeiten, die zu einer Beeinträchtigung von sozialen und beruflichen Funktionen führt) hat mit Klappse nichts zu tun.

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Montag, 16. März 2009
Nächstenliebe - Gepämpert oder was?
Koinboin glaubte bisher, Nächstenliebe sei ein Auslaufmodell.

Pustekuchen. Man kann's nicht anders sagen, Koinboin geht es gut. Die Koinboin entgegengebrachte und von ihm erfahrene Nächstenliebe mit unbekannten Ausmass bringt ihn fast um.

lt. http://books.google.de/books...: Die Nächstenliebe ist eine naturgegebene Eigenschaft aller Lebewesen, die in Familien-, Gruppen- oder sonstigen Stammesverbänden leben.

Der Nächste ist der Blutsverwandte, die eigene Sippe, der Freundeskreis.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb dieser Gruppen ist für deren Überleben naturnotwendig und aus diesem Grunde seitens unserer Mutter Natur jedem Lebewesen biologisch-genetisch einprogrammiert worden.

Auch bei Insekten (Termiten, Bienen, Ameisen), sogar bei einzelligen Amöben kann ein (der Nächstenliebe ähnelndes Sozialverhalten beobachtet werden, wie das Weizmann-Institut in Haifa dokumentieren konnte.)

Nächstenliebe heißt nicht, meinen Nächsten zu bemuttern bzw. zu bepämpern, Nächstenliebe muss die Mündigkeit des anderen respektieren.

Nächstenliebe heisst unteranderem

- sich von Vorurteilen zu lösen
- Neid und Habsucht zu reduzieren und auszuschalten
- Anerkennung und Respekt gegenüber anderen bezeugen
- nicht besitzergreifend zu sein
- seine Bedürfnisse gegenüber anderen zurück zuschrauben
- Rücksicht und verantwortungsbewusstes Handeln gegenüber allen Lebewesen
- lieben heisst aber auch, ehrlich zu sein ohne jemandem dabei weh tun zu wollen

Da sagt sich Koinboin nur: Mein lieber Scholli, ist garnicht so einfach, ein Stachelschwein in den Arsch zu beissen. Man sieht es doch dauernd, die Nächstenliebe ist im Grossen und Ganzen gescheitert. Auch Koinboin macht da keine Ausnahme. Geht nicht immer: Mein lieber Scholli...

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